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Polling

Die Ortsgeschichte von Polling

Polling kann auf eine über 1250-jährige Geschichte zurückblicken.
Über Pollings Gründung erzählt man sich seit dem späten Mittelalter die Jagdlegende um den bayerischen Agilolfinger Herzog Tassilo III., der um 750 n. Chr. hier eine Hirschkuh jagt, die nach längerer Verfolgung plötzlich stehen bleibt und auf dem Boden scharrt. An dieser Stelle wurden drei Kreuze gefunden, von denen sich eines durch Krankenheilungen als wundertätig erwies. Hier soll Tassilo das Kloster Polling gegründet haben. Ein Fichtenholzkreuz, das nach dendrochronologischer Untersuchung allerdings erst frühestens in das 9. Jahrhundert datiert werden kann, welches dann im 13. Jahrhundert mit Pergament überzogen und bemalt wurde, befindet sich heute am Hochaltar der Basilika. Ein derartiges bemaltes Tafelkreuz ist in der Romanischen Malerei Deutschlands außerordentlich selten und in Bayern einmalig. Es ist Mittelpunkt einer bis heute über 1250-jährigen christlichen Präsenz. Das Kreuz prägt daher das Wappen der Gemeinde.

Tatsächlich reichen die ersten menschlichen Spuren Pollings in Form von Tongefäßen und Werkzeugen bis in die 2. Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr. zurück. Diese jungsteinzeitliche Besiedelung, inmitten eines ansonsten sumpfigen Umlands, wurde auf einem Tuffrücken in der Nähe des noch heute vorhandenen Jakobsees möglich. Der Pollinger Kalktuff, ein in der postglazialen Wärmezeit entstandenes Kalksinterprodukt, wird in der Folge zu dem prägenden Baumaterial für das historische Polling. In den Steinbrüchen wird das wertvolle Material noch heute abgebaut und man kann dort die erdgeschichtliche Entwicklung nachvollziehen.
Aus der mittelalterlichen Frühzeit des benediktinisch geprägten Klosters bis etwa zur Jahrtausendwende gibt es keine verlässlichen Quellen. Im Jahr 1002 trifft Herzog Heinrich IV. bei Poliing den Leichenzug Kaiser Otto III. und übernimmt (zunächst ohne die „Heilige Lanze") die Reichsinsignien und wird kurz darauf in Mainz zum König gekrönt. Der spätere heilige Kaiser Heinrich II. setzt im Jahr 1010 das Kloster wieder in alte Rechte ein. Die Restitutionsurkunde ist das älteste erhaltene Dokument zu Pollings Geschichte.
Der neue Konvent formiert sich aus Priestern, die gemeinschaftlich unter einer Ordensregel leben. Seit 1065 Eigenkloster des Bischofs von Brixen, wird es um 1135 durch Papst Innozenz II als Augustiner-Chorherrenstift bestätigt. Bis zur Säkularisation 1803 erlangt es als geistliches und wissenschaftliches Zentrum hohes Ansehen. Bedeutende Chorherren wie Eusebius Amort, oder
Franziskus Töpsl werden u. a. zu Mitbegründern der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Auch heute noch ist Polling im Kern durch die eindrucksvolle Anlage des ehemaligen Augustiner Chorherrenstifts mit seiner bedeutenden Stiftskirche geprägt. Das Erbe aus vergangenen Tagen ist in einer sich wandelnden Zeit, die von der Schnelllebigkeit immer kürzerer technologischer Entwicklungszyklen beherrscht wird, nicht immer leicht.
Die Lage etwa auf der Hälfte der Strecke entlang der alten „Olympiastraße", der Bundesstraße 2 von München nach Garmisch-Partenkirchen, 4 km südlich der Kreisstadt Weilheim, im Dreieck zwischen Starnberger-, Ammer- und Staffelsee bietet vielfältige Möglichkeiten. So lässt sich in etwa einer Stunde Fahrt sowohl München, als auch die Zugspitze erreichen. Ein hoher "Freizeitwert" ist ebenso gegeben wie das attraktive Arbeitsumfeld des Oberlandes.
Die Entwicklung in der Gegenwart gebietet Achtung vor der Vergangenheit und erfordert Weitblick für die Zukunft. Lange bevor der Begriff „Agenda" entstand, formierte sich in Polling ein „Arbeitskreis Dorf", der sich in verschiedenen Arbeitsgruppen mit Fragen des Umweltschutzes, des Verkehrs, der wirtschaftlichen Entwicklung, der Infrastruktur und der Kultur befasst. Viele Ergebnisse dieser langfristigen Überlegungen wurden bisher umgesetzt. Der Dialog dauert an.
Das Leitbild „wohnen, leben und arbeiten" steht für die Verbindung der Vorteile des Standorts in einer der schönsten Voralpenlandschaften mit den Voraussetzungen für modernes Leben und konkurrenzfähige Arbeitsumgebung. Das behutsame, organische Wachstum, das z. B. durch eine Satzung zur Baulandausweisung für Einheimische (sog. „Pollinger Modell") garantiert wird, ist eine wichtige Voraussetzung zur Erhaltung der Standortqualität.
Umso wichtiger ist die Erkenntnis, dass die Eigenständigkeit einer Jahrhunderte alten lokalen bäuerlichen Kultur ein wesentliches Element der unverwechselbaren Identität und Stabilität unserer Gesellschaft bildet.
In diesem Sinne wird, auch mit Hilfe der Direktion für Ländliche Entwicklung, nach neuen Strukturen und Strategien (z. B. Dorferneuerung, Regionalvermarktung) gesucht, die dem Landwirt die Möglichkeit bieten, selbständiger und von großräumigen Mechanismen unabhängiger zu agieren.
Die Kinder und Jugendlichen als Hoffnungsträger unserer Zukunft haben mit vorbildlichen Bildungseinrichtungen, zwei Kindergärten, einer Grundschule, zahlreichen Sportvereinen und weiterführenden Schulen in unmittelbarer Nähe (Realschulen und Gymnasium in Weilheim und Peißenberg) beste Voraussetzungen für eine gesunde, naturnahe Entwicklung.