Historie

Wandbild Gründung Polling (Foto: Gemeinde Polling)

Inmitten des Pfaffenwinkels auf einer Höhe von 560 Metern ü.M. gelegen, verfügt das Klosterdorf Polling mit seinen 3.400 Einwohnern über zahlreiche Sehenswürdigkeiten.

Im Zentrum des Dorfes liegt das Kloster Heilig Kreuz, die ehrwürdige Stiftskirche St. Salvator sowie der weithin als Konzertsaal bekannte Bibliotheksaal des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes Polling.
Das mit vielfältigen Exponaten ausgestattete Museum Polling, der Regenbogenstadl und der im Jahre 2003 renovierte Fischerbau liegen ebenfalls im Dorfkern.

Außer der Stiftskirche sind die St. Martins Kirche in Oderding und die Ettinger Kirchen St. Michael und St. Andrä einen Besuch wert.

Aber auch die Historie des bäuerlichen Lebens in seiner Vielfältigkeit wird an gleich zwei Stätten präsentiert. Der im Jahre 2003 eröffnete Minis Raritäten-Stadl des Altbürgermeisters Dominikus Weiß und das im Jahre 2005 sich jetzt zum Teil als Molkerei-Museum präsentierende Gebäude der ehemaligen Molkerei an der Jörg-Ganghofer-Straße.

Der Klostergarten in Polling.Polling kann auf eine über 1250-jährige Geschichte zurückblicken.
Über Pollings Gründung erzählt man sich seit dem späten Mittelalter die Legende um den bayerischen Agilolfinger Herzog Tassilo III., der um 750 n. Chr. eine Hirschkuh jagt, die nach längerer Verfolgung plötzlich stehen bleibt und auf dem Boden scharrt. An dieser Stelle wurden drei Kreuze gefunden, von denen sich eines durch Krankenheilungen als wundertätig erwies.

Hier soll Tassilo das Kloster Polling gegründet haben. Ein Fichtenholzkreuz, das nach dendrochronologischer Untersuchung allerdings frühestens in das 9. Jahrhundert datiert werden kann, welches dann im 13. Jahrhundert mit Pergament überzogen und bemalt wurde, befindet sich heute am Hochaltar der Basilika. Ein derartiges bemaltes Tafelkreuz ist in der Romanischen Malerei Deutschlands außerordentlich selten und in Bayern einmalig. Es ist Mittelpunkt einer bis heute über 1250-jährigen christlichen Präsenz. Das Kreuz prägt daher das Wappen der Gemeinde.

Tatsächlich reichen die ersten menschlichen Spuren Pollings in Form von Tongefäßen und Werkzeugen bis in die 2. Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr. zurück. Diese jungsteinzeitliche Besiedelung, inmitten eines ansonsten sumpfigen Umlands, wurde auf einem Tuffrücken in der Nähe des noch heute vorhandenen Jakobsees möglich. Der Pollinger Kalktuff, ein in der postglazialen Wärmezeit entstandenes Kalksinterprodukt, wird in der Folge zu dem prägenden Baumaterial für das historische Polling. In den Steinbrüchen wird das wertvolle Material noch heute abgebaut und man kann dort die erdgeschichtliche Entwicklung nachvollziehen.
Aus der mittelalterlichen Frühzeit des benediktinisch geprägten Klosters bis etwa zur Jahrtausendwende gibt es keine verlässlichen Quellen. Im Jahr 1002 trifft Herzog Heinrich IV. bei Polling den Leichenzug Kaiser Otto III. und übernimmt (zunächst ohne die „Heilige Lanze“) die Reichsinsignien und wird kurz darauf in Mainz zum König gekrönt. Der spätere heilige Kaiser Heinrich II. setzt im Jahr 1010 das Kloster wieder in alte Rechte ein. Die Restitutionsurkunde ist das älteste erhaltene Dokument zu Pollings Geschichte.
Der neue Konvent formiert sich aus Priestern, die gemeinschaftlich unter einer Ordensregel leben. Seit 1065 Eigenkloster des Bischofs von Brixen, wird es um 1135 durch Papst Innozenz II als Augustiner-Chorherrenstift bestätigt. Bis zur Säkularisation 1803 erlangt es als geistliches und wissenschaftliches Zentrum hohes Ansehen. Bedeutende Chorherren wie Eusebius Amort, oder Franziskus Töpsl werden u. a. zu Mitbegründern der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Auch heute noch ist Polling im Kern durch die eindrucksvolle Anlage des ehemaligen Augustiner Chorherrenstifts mit seiner bedeutenden Stiftskirche geprägt. Das Erbe aus vergangenen Tagen ist in einer sich wandelnden Zeit, die von der Schnelllebigkeit immer kürzerer technologischer Entwicklungszyklen beherrscht wird, nicht immer leicht.
Die Lage etwa auf der Hälfte der Strecke entlang der Bundesstraße 2 von München nach Garmisch-Partenkirchen, 4 km südlich der Kreisstadt Weilheim, im Dreieck zwischen Starnberger-, Ammer- und Staffelsee bietet vielfältige Möglichkeiten. So lässt sich in etwa einer Stunde Fahrt sowohl München, als auch die Zugspitze erreichen. Ein hoher „Freizeitwert“ ist ebenso gegeben, wie das attraktive Arbeitsumfeld des Oberlandes.
Die Entwicklung in der Gegenwart gebietet Achtung vor der Vergangenheit und erfordert Weitblick für die Zukunft. Lange bevor der Begriff „Agenda“ entstand, formierte sich in Polling ein „Arbeitskreis Dorf“, der sich in verschiedenen Arbeitsgruppen mit Fragen des Umweltschutzes, des Verkehrs, der wirtschaftlichen Entwicklung, der Infrastruktur und der Kultur befasst. Viele Ergebnisse dieser langfristigen Überlegungen wurden bisher umgesetzt. Der Dialog dauert an.
Das Leitbild „wohnen, leben und arbeiten“ steht für die Verbindung der Vorteile des Standorts in einer der schönsten Voralpenlandschaften mit den Voraussetzungen für modernes Leben und konkurrenzfähige Arbeitsumgebung. Das behutsame, organische Wachstum, das z. B. durch eine Satzung zur Baulandausweisung für Einheimische (sog. „Pollinger Modell“) garantiert wird, ist eine wichtige Voraussetzung zur Erhaltung der Standortqualität. Umso wichtiger ist die Erkenntnis, dass die Eigenständigkeit einer Jahrhunderte alten lokalen bäuerlichen Kultur ein wesentliches Element der unverwechselbaren Identität und Stabilität unserer Gesellschaft bildet.
In diesem Sinne wird, auch mit Hilfe der Direktion für Ländliche Entwicklung, nach neuen Strukturen und Strategien (z. B. Dorferneuerung, Regionalvermarktung) gesucht, die dem Landwirt die Möglichkeit bieten, selbständiger und von großräumigen Mechanismen unabhängiger zu agieren.
Die Kinder und Jugendlichen als Hoffnungsträger unserer Zukunft haben mit vorbildlichen Bildungseinrichtungen, zwei Kindergärten, einer Grundschule, zahlreichen Sportvereinen und weiterführenden Schulen in unmittelbarer Nähe (Realschulen und Gymnasium in Weilheim und Peißenberg) beste Voraussetzungen für eine gesunde, naturnahe Entwicklung.

Foto der Ettinger KircheDas 1978 im Zuge der Gebietsreform eingemeindete Etting liegt 5 km südlich von Weilheim an der B2 und auf ca. 600 m Meereshöhe. Mit knapp 400 Einwohnern und 618,8 ha Flur ist Etting der kleinste Gemeindeteil. Geprägt wurde die schöne Landschaft durch die Würm- und Nacheiszeit.
Die älteren Schichten, wie Molasse und Tertiär sind von einer 50 m mächtigen grundwasserführenden Kies- und Schotterschicht überdeckt. Aus diesem reichlichen Grundwasservorkommen entspringt der „Ettinger Bach“ südlich des Dorfes, der dann als „Tiefenbach“ (im Mittelalter „Teufenbach“) nach Polling fließt. Noch vor vielen hundert Jahren reichte der aufgrund einer Geländeschwelle aufgestaute Pollinger Jakobsee bis nach Etting, wie auch in einer Topographie von 1568 beschrieben: „Etting prope lacum“ = Etting am See.

Durch das kalkreiche Ettinger Wasser entstand auch der berühmte Pollinger Tuff an einer Überlaufstelle des Sees. Dort fand sich auch der Beweis, dass die Gegend schon rd. 3500 v.Chr. besiedelt wurde.
Durch Hügelgräberfunde um St. Andrä steht fest, dass ab 2000 v.Chr. Menschen dort sesshaft wurden. Das älteste Etting lag im Umfeld der Andreaskirche, was auch Artefakte von römischen Gräbern darlegen. Das heutige Etting und sein Name entstanden Mitte des 6. Jahrhunderts als eine Sippe des Alemannen Oto sich hier niederließ. Denn zu dieser Zeit strömten germanische Volksstämme in das Gebiet zwischen Donau und Alpen.
Der Name Etting leitet sich wie folgt ab: Otinga (ll. Jh.) – Otingen (12. Jh.) – Oetingen (Anfang 13. Jh.) – Oeting – Etting.

Die zwei Kirchen St. Michael (16. Jh.) und St. Andrä (18. Jh.) sind Ettings optische Mittelpunkte – besonders St. Andrä ist weitum als idyllische Hochzeitskirche bekannt. Bis 1804 fand an der St. Andräkirche ein Markt statt, den der Weilheimer Magistrat übernahm und welcher noch heute jeden 1. Adventssonntag in Weilheim abgehalten wird.

Das heutige Bild Ettings ist noch sehr stark von der Landwirtschaft geprägt, aber auch gewerbliche Ansiedlungen in vielseitiger Form finden sich in dem kleinen Dorf. Durch die Renovierung der „Alten Schule“, welche schon länger als Dorfgemeinschaftshaus dient, haben die Ettinger Vereine wieder einen Punkt, um kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen durchführen zu können. Vor einigen Jahren wurden Ettings Häuser mit Tafeln versehen, auf denen der Hausname und die Historie des jeweiligen Gebäudes festgehalten wurde, um jedem, der das Dorf besucht einen kleinen Einblick in die Geschichte zu gewähren.

Oderding vor BergkulisseOderding befindet sich zwischen der Stadt Weilheim und dem Markt Peißenberg am Westufer der Ammer; landschaftlich in einer der bekanntesten Gegenden des oberbayerischen Voralpenlandes, im malerischen Pfaffenwinkel.
Die frühesten Zeugnisse der Geschichte von Oderding sind Grabhügel aus den Jahren 2000 bis 1000 vor Christi, die sich in der Oderdinger Flur befinden. Aus der Zeit der Kelten (etwa 500 v. Chr.) stammen zwei Eisenbarren, die bei Grabungsarbeiten in unserer Flur entdeckt wurden. Ebenfalls bei Erdarbeiten wurde zwischen Oderding und Peißenberg um 1831 ein Bronzegefäß gefunden, das römische Kupfermünzen mit den eingeprägten Bildnissen römischer Kaiser aus der Zeit 260 bis 270 n. Chr. enthielt. Damit wird bestätigt, dass hier auch Römer siedelten, die seit dem Jahre 15 v. Chr. unser Land beherrschten. Seit dem 3. Jahrhundert drängten aus dem Norden und Westen kommend die Alemannen immer wieder nach Süden vor, bis sie im 5. Jahrhundert endgültig die Römer größtenteils aus unserem Raum vertrieben hatten.

Nach eingehenden geschichtlichen Nachforschungen kann davon ausgegangen werden, dass Oderding bereits vor 550 von den Alemannen gegründet wurde. Die Tatsache, dass der Name Oderding vom Heiden Uodrat (Uodratingen) abstammt, beweist, dass der Ort erhebliche Zeit vor der Christianisierung (537 – 700) entstanden sein muss.
Die älteste schriftliche Erwähnung Oderdings findet sich in Aufzeichnungen des Klosters Benediktbeuern aus der Zeit um 1050 n. Chr.

Im 12. Jh. wird Oderding im Pollinger Traditionsrotulus genannt. Weiter wird um 1140 in Klosterurkunden von Indersdorf ein Udalrikus (Ullrich) von Odratingen (Oderding) genannt. Zehn Jahre später erscheint sein Name in einem Pollinger Zinsbuch, in dem vermerkt ist, dass dieser Ulrich und sein Sohn Landfried von Odratingen im oberen Dorf ein Haus und im unteren Dorf eine Mühle erbrechtlich besaßen.
Die erste Kirche (aus Holz) dürfte etwa um 650 in Oderding erbaut worden sein. Sie wurde von den fränkischen Missionaren, ihrem Nationalheiligen, dem Bischof Martin von Tours geweiht, und zählt zu den ältesten Kirchen in unserem Gebiet. Beim heutigen Gotteshaus handelt es sich wahrscheinlich um den vierten Kirchenbau, der 1536 (aus Stein) im gotischen Stil neu errichtet wurde. In der Zeit von 1739 bis 1742 erfolgte die Barockisierung.

Im Westen des Dorfes, auf einer Anhöhe, befindet sich der Weiler Grasla, der aus zwei Bauernhöfen und einer Kapelle besteht. Das kleine Kirchlein ist der Hl. Margareth geweiht und 1384 erstmals urkundlich nachgewiesen. Um 1499 wurde die romanische Kapelle im gotischen Stil umgebaut und nach Osten erweitert.
Vom dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde auch Oderding schwer heimgesucht. Durch die Pest (1632 bis 1636) verstarben 86 Personen in Oderding, die Kinder nicht mitgezählt.
Eine starke Belastung brachten auch die napoleonischen Kriege von 1796 bis Anfang 1800 durch Einquartierung von Soldaten verschiedener Nationalitäten. Die Bauern mussten Verpflegung und Quartier zur Verfügung stellen, sowie Spanndienste leisten.

Oderding gehörte im Mittelalter zum Herrschaftsgebiet der Welfen und daher von 1483 bis 1803 zum Oberamt des Gerichts Landsberg. 1521 befanden sich in Oderding zusammen mit Grasla 15 Bauernhöfe und Sölden (kleine Landwirtschaften mit erforderlichem Zuerwerb). Im Jahre 1803 waren es 16 Bauernhöfe und 17 Sölden, die meist durch Teilung entstanden sind. Zu diesem Zeitpunkt gehörten alle Oderdinger Anwesen und die ganze Flur zum Obereigentum des Klosters Polling. Mit der Säkularisation im Jahre 1803 wurden die Oderdinger von ihren bisherigen Pflichten gegenüber dem Kloster Polling entbunden und waren dann direkte Untertanen des bayerischen Staates geworden. 1804 hatte Oderding 169 Einwohner. Die Gemeindeflur von Oderding umfasste knapp 1.000 Hektar Grund.

Auch wenn der Ort noch einen bäuerlichen Charakter aufweist, so lebt nur noch ein geringer Teil der Bürger von der Landwirtschaft. Seit der Gemeindegebietsreform 1978 gehört die einst selbständige Gemeinde Oderding mit den Ortsteilen Schönau, Grasla, Hungerwies und Kugelsbühl zur Gemeinde Polling.
In einem mit vielen freiwilligen Leistungen in den Jahren 1973 bis 1975 von den Oderdinger Bürgern erbauten Dorfgemeinschaftshaus bietet ein Saal mit Bühne die Möglichkeit für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen. Darin stehen auch der Jugend und der Schützengesellschaft Räumlichkeiten zur Verfügung. Im südlichen Bereich des Gebäudes befindet sich das Feuerwehrhaus.

Oderding zählt heute 470 Einwohner mit 150 Haushalten. Das Ortsbild ist vor allem geprägt durch die Landwirtschaft.